Chinidinsulfat als Standardtherapie bei Vorhofflimmern
[01.02.2010]
Kardiologie: Chinidinsulfat bleibt nach Vergleich
mit elektrischen Kardioversionsmethoden immer noch
Mittel der ersten Wahl zur Behandlung des equinen
Vorhofflimmerns. Die Behandlungsergebnisse lassen
sich durch Vorbehandlung mit einem ACE - Hemmer
und/oder Antiarrhythmikum positiv beeinflussen.
Vorhofflimmern ist die haufigste Herzrhythmusstorung
des Pferdes. Grunderkrankungen sind Myokarditis,
Erweiterung oder Uberdehnung des linken Vorhofes,
pulmonale Hypertonie, Hypoxamie und Elektrolytimbalancen
durch Schock. Als Therapie kommen die Verabreichung
von Chinidinsulfat sowie die elektrische
Kardioversion in Frage. Bisher weist alles auf einen
positiven Einfluss der zusatzlichen Gabe von Antiarrhythmika
und ACE-Hemmern hin. Propafenon, das am
haufigsten beim Pferd eingesetzte Antiarrhythmikum,
fordert die Natriumkanalerholungszeit und verlangert
die QRS-Dauer. Bei gleichzeitiger Gabe mit Chinidinsulfat
ergibt sich eine erhohte Plasmakonzentration. Als
ACE-Hemmer wird meistens Quinapril eingesetzt, das
sowohl die Vorlast als auch die Nachlast mindert.
Chinidinsulfat muss mindestens eine Plasmakonzentration
von 3.6 µg/ml erreichen, um eine Kardioversion
zu bewirken. Die intravenose Verabreichung gilt als
weitaus nebenwirkungsarmer als die Oralgabe.
Unklar war bis dato, wie hoch die Rezidivrate nach
Chinidingabe ist bzw. welche Faktoren zusätzlich positiven
Einfluss auf den Zustand der Patienten ausüben
können. Aus diesem Grund wurde in einer Studie bei
33 Warmblutpferden Chinidinsulfat verabreicht und
damit eine Kardioversion erreicht. Bei den ausgewählten
Pferden handelte es sich mehrheitlich um Wallache
mit einem Durchschnittsalter von 8,4 Jahren. Vor der
Therapie wurden alle Pferde einer elektro- sowie einer
echokardiographischen Untersuchung unterzogen.
Alle Pferde wiesen hierbei eine totale Arrhythmie und
11 Tiere zusätzlich ein systolisches oder diastolisches
Herzgeräusch auf. Auch unregelmäßige QRS-Komplexe
und das Fehlen der regulären P-Zacke traten bei allen
Pferden auf.
Allen 33 Pferden wurde Chinidinsulfat als Dauertropfinfusion
mit bis zu 150 Tropfen pro Minute verabreicht.
Die Pferde erhielten Domosedan zu Sedierung vorab
und auch während der Infusion. Bei unerwünschten
Arzneimittelwirkungen, wie z. B. Kolik, Unruhe oder
Tachykardie wurde die Infusion unterbrochen bzw. die
Tropfgeschwindigkeit minimiert. Es wurden maximal
drei Therapieversuche unternommen, die mindestens
vier Wochen auseinander lagen. Nach der Infusion
sollten die Pferde vier Wochen nur mäßig belastet und
danach wieder antrainiert werden.
Die Pferde, die nicht mit ACE-Hemmern oder Antiarrhythmika
vorbehandelt waren, benötigten deutlich
mehr Therapieversuche mit Chinidinsulfat bis zur Kardioversion.
Die Anzahl der Therapieversuche stellte sich
nach Vorbehandlung mit Propafenon nicht anders dar
als mit Propafenon und Quinapril gleichzeitig. Insgesamt
16 der Probanden wiesen zusätzlich Rückflüsse
an mindestens einer Herzklappe auf, 21 Pferde litten
gleichzeitig an einer Lungenerkrankung. Sechs Tiere
entwickelten nach weniger als einem Jahr ein Rezidiv.
Jedes dieser Pferde hatte gleichzeitig ein vergrößertes
Vorhofvolumen. 36 % der befragten Patientenbesitzer
gaben zu Protokoll, dass die Leistung der Tiere nach
der Infusion eine deutliche Besserung erfahren hatte. Im
Vergleich zu anderen Therapiemöglichkeiten wie z. B.
der transthorakalen und der transvenösen Kardioversion
ist die Chinidinsulfatinfusion erfolgversprechender und
bisher auch nebenwirkungsärmer.
Es zeigt sich, dass Chinidinsulfat bei physiologischer
Größe der Herzvorkammern oder bei gering dilatierten
Vorhöfen immer noch das Mittel der ersten Wahl bleibt,
um eine Kardioversion zu erreichen. Bei Vorbehandlung
mit Propafenon und/oder Quinapril ist die Zahl der Therapieversuche
deutlich minimiert. Die Rolle des ACEHemmers
ist bisher nicht eindeutig geklärt.
(Quelle: A. Goltz et al. (2009): Die Therapie des Vorhofflimmerns mit
1A- und 1C-Antiarrhythmika sowie ACE-Hemmern. Pferdeheilkunde
25 (3), 220–227.)