In den letzten Jahren hat sich herausgestellt, dass peri-pankreatische Fettnekrosen und Drüsenzellnekrosen
wichtige Morbiditäts-und Mortalitätsursachen bei Hauskatzen darstellen. Wie bei vielen anderen Kleintiererkrankungen bestehen auch in Bezug
auf die akute Pankreatitis wichtige Unterschiede zwischen den Erkrankungen bei Hund und Katze.
Die Unterschiede beginnen bei
der Ätiologie
Die Ätiologie der felinen akuten
Pankreatitis ist noch nicht vollständig geklärt. Erkrankungen des Gallengangsystems (z. B. Cholangiohepatitis, Obstruktionen), Organophosphat-Intoxikationen, Ischämien, Traumata, Infektionen (Toxoplasmose und Feline infektiöse Peritonitis)und Lipodystrophie gelten
als mögliche Ursachen, während die
ätiologische Bedeutung von idiosynkratischen Arzneimittelreaktionen
(z. B. auf Glukokortikoide)und hypercalcämischen Störungen nicht
gesichert sind. Jüngere Studien weisen latent vorhandene Enteritiden
als wichtigen Risikofaktor zur Entstehung einer Pankreatitis aus.
Im Gegensatz zum Hund spielen prädisponierende Faktoren wie
Adipositas und Endokrinopathien
wie Diabetes mellitus, Hyothyreoidismus und Hyperadrenocorticismus bei der Katze keine Rolle.
Die ersten retrospektiven Studien über die feline akute Pankreatitis berichteten über eine zunehmende Prädispositon von Siamesen gegenüber dieser Erkrankung,
während nach jüngsten Angaben
die meisten Fälle bei Kurzhaarrassen diagnostiziert werden konnten.
Die Speziesunterschiede zeigen
sich vor allem im klinischen Bild
Lethargie und partielle bis vollständige Anorexie, bei 100 bzw. 97
Prozent aller erkrankten Tiere auftretend, stellen die häufigsten,
wenn auch nicht pathognomonischen, klinischen Symptome bei erkrankten Katzen dar. Die bei Hunden überwiegend (90 bzw. 33
Prozent)auftretenden klinischen
Symptome Vomitus und Diarrhoe
spielen bei der Katze eine eher untergeordnete Rolle (lediglich 35 bzw. 15 Prozent aller erkrankten
Tiere betroffen).
Während der klinischen Untersuchung erkrankter Katzen können vor allem Dehydratation
(92 %), Tachypnoe (74 %), Hypothermie (68 %), Ikterus (64 %)und
Tachkardie (48 %)festgestellt werden. Als weitere Befunde können
abdominaler Schmerz (25 %), intraabdominale Zubildungen (23 %)
sowie Dyspnoe (20 %), Ataxie
(15 %)oder Fieber (7 %)erhoben
werden. Diese Auflistung macht
deutlich, dass das klassische „Leerbuch “-Bild der akuten Pankreatitis
(Vomitus, Diarrhoe, abdominaler
Schmerz und Fieber)bei Katzen nur
in seltenen Fälle zu finden ist.
Röntgenologisch kann bei der
felinen akuten Pankreatitis meist
vor allem eine Hepatomegalie und
ein abdominaler Erguss gesehen
werden. Oft können auch, wie beim
Hund, Verdichtungen im rechten
kranialen abdominalen Quadranten und das gasgefüllte Duodenum/Kolon dargestellt werden.
Im Ultraschallbild stellt sich
das Pankreasgewebe hypoechogen
dar. Das peripankreatische Mesenterium kann durch eine Hyperechogenität auffallen.
Das Vorliegen einer Leukopenie
und/oder Hypocalcämie ist
prognostisch ungünstig einzuschätzen
Die Ergebnisse der Laboruntersuchungen sind bei Erkrankungen von
Hund und Katze annähernd vergleichbar. Das Blutbild zeigt bei erkrankten Katzen vor allem eine normozytäre normochrome regenerative Anämie (55 %)sowie eine Leukozytose (30 %)oder Leukopenie
(15 %), wobei das Auftreten einer
Leukopenie prognostisch ungünstig zu werten ist.
Die klinische Chemie offenbart bei der Mehrzahl erkrankter
Katzen eine Erhöhung der Alanin-
Amino-Transferase [ALT ]und der
Alkalischen Phosphatase [AP ]. Zusätzlich können Hyperbilirubinämie, Hypercholesterämie und Hyperglykämie (jeweils bei circa 64 %
der erkrankten Tiere)sowie Hypokaliämie (56 %)und/oder Hypocalcämie (45 %)diagnostiziert werden. In einer Studie konnte im
Zusammenhang mit manifesten
Hypocalcämien bei erkrankten Tieren eine erhöhte Morbidität und
Mortalität festgestellt werden.
Wichtigste therapeutische
Komponente: Stabilisierung der
Bluthomöostase
Die Therapie der felinen akuten
Pankreatitis besteht vor allem i
der Normalisierung des Blut-und
Plasmavolumens und des Säurebasen-sowie des Elektrolythaushaltes. Zusätzlich kann das Pankreas
in physiologische Ruhe versetzt
werden. Als Komplikationen der felinen akuten Pankreatitis können neben der disseminierten intravasalen Koagulopathie [DIC ] auch
kardiale Arrythmien, Sepsis, akute
Tubulusnekrosen, Lungenödeme
und Pleuraergüsse auftreten.